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Die wichtigsten Chancenmärkte der österreichischen Hotellerie

Heimo Royer

 

Zukunftsimpuls September 2016

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand – das Außergewöhnliche ihren Wert.“

Dieses Zitat von Oskar Wilde trifft auch auf das Hotel der Zukunft zu.
Wirtschaftsprobleme, politische Unbilden, demographische Daten, immer wieder neue Trends, Globalisierung, geänderte Verhaltensweisen und Konsumgewohnheiten und nicht zuletzt Fluch und Segen von Hotelbuchungsportalen und Bewertungsplattformen, stellen jeden in der Hotellerie, der sich mit der Zukunft befasst, vor große, schwierige, jedoch herausfordernde und reizvolle Aufgaben. Im Vordergrund sollte jedoch stehen, dass sich dadurch durchaus auch tolle Chancen ergeben, „zukunftsfitte“ und nachhaltig bestehende Betriebe zu etablieren.

Auf die Dauer kann nur ein gutes Produkt bestehen und ein gutes Produkt besteht immer aus zwei Komponenten: Aus Hardware und aus Software – „Kopf und Bauch“ – ohne das eine hat das andere keine Aussicht auf Erfolg.
Die gesamte Tourismuswirtschaft und somit auch die Hotellerie unterliegen einem stetigen Wandel. Die einzige Konstante in diesem Spiel ist der Wunsch und das Bedürfnis des Gastes nach Qualität – unabhängig davon, ob es sich nun um ein 2-Sterne-Hotel, oder um ein 5-Sterne-Hotel handelt.
Das Hotel der Zukunft wird sich dieser Konstanten noch weniger als jemals zuvor verschließen können. Gleichzeitig sind die extrem gespannten, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen noch stärker zu beachten. Eine sehr „sportliche“ Aufgabe also, ein gekonnter Spagat sozusagen, der hingelegt werden muss, um die Zukunft  zu meistern.

Doch was ist mit den bestehenden Betrieben, die sich ebenfalls dazu anschicken, als zukunftsfähiges Hotel zu reüssieren? Zugegeben, zum überwiegend größeren Teil haben diese Hotels natürlich Planungsnachteile im Vergleich zu neu geplanten Hotels, aber auch diese Betriebe haben ihre realistischen Chancen!
Nachfolgend werden von mir konkrete Themen angesprochen – sowohl aus der Hardware, als auch aus der Software –  die sich nicht nur für geplante Hotels, sondern zum Teil auch für bestehende Betriebe in unterschiedlichen Maßen umsetzen lassen. Um allerdings dem Thema „Hotel der Zukunft“ besser gerecht zu werden, sei hier zugestanden, dass die Mehrheit der nachfolgend angeführten Denkanstöße den „neuen“ Hotels dienen:

Für jedes Vorhaben heißt es: „Lange planen, kurz bauen“.
Hotels, die zu viele Zielgruppen gleichzeitig bedienen wollen, „Gemischtwarenläden“ also, werden es schwerer haben, als jene, die sich ein klareres Profil geben wollen/werden.
Auch wenn jedes Hotelzimmer in Österreich im Durchschnitt mit mehr als 60.000,-- Euro verschuldet ist, auch wenn Hotelinvestitionen extrem unterschiedlich sind, auch wenn im Durchschnitt nur ca. 40% bis 45% der BGF als Zimmer (und wie wir wissen, verdienen wir hauptsächlich hier Geld) verbaut werden und jeder Quadratmeter äußerst kostbar ist, sollte danach getrachtet werden, großzügige Kommunikationsräume zu schaffen. „The non selling rooms  are selling the rooms“, Gäste wollen sich austauschen. Wirtschaftliche Flächenrelationen sind dennoch so gut wie möglich einzuhalten.
Die Zimmer werden immer größer, was einerseits gut ist, weil dies für den Gast attraktiv ist, andererseits  leidet darunter natürlich die Preisdurchsetzbarkeit pro Quadratmeter.
Aber halt: Die Zimmergrößen alleine sind nicht ausreichend, vielmehr müssen im Hotel der Zukunft die Achsmaße neu überdacht werden („Schlauchzimmer“ könnten minimiert oder gar vermieden werden)!
Die meiste Zeit im Zimmer verbringt der Gast im Bett. Erholsamer Schlaf ist ein Grundbedürfnis. Im Hotel der Zukunft werden Bettengrößen, Einstiegshöhen und Qualitätsmaterialien höher und besser sein müssen, individuell verstellbare Matratzenhärten werden einen willkommenen Zusatznutzen bieten.
80% der Gäste sehen vom Bett aus fern, Flatscreens gehören vis a vis vom Bett installiert.
Minibars gehören nicht auf den Boden, sondern in Augenhöhe oder zumindest in Griffhöhe.
Alle Möbelteile sind von innen zu beleuchten. USB-Stecker für Handys und Anti-Elektrosmog-Schalter sind kein Widerspruch! Zimmersafes in Laptop-Größe. WLAN ist Basic und muss im ganzen Haus kostenlos sein!
Harmonie und Balance der Einrichtung im Einklang mit der Raumkubatur!
Bei Sitzgelegenheiten weg vom Herkömmlichen, hin dazu, Möglichkeiten zum „Lümmeln“ zu schaffen!
Das Lichtkonzept perfektionieren, denn Licht dient nicht nur zum besseren Sehen, sondern auch, um Emotionen zu schaffen: Ambiente-Beleuchtung verbessern, Dimmbarkeit, die hellste Lichtquelle im Zimmer am weitesten vom Eingang entfernt (Diagonale), Licht muss sich überschneiden und somit Schatten werfen, das erzeugt Atmosphäre!

Badezimmer nehmen einen immer höheren Stellenwert ein. Best mögliche Ausstattung mit obligatorischer Fußbodenheizung, ein perfektes Lichtsystem (hell beim Spiegel, dimmbares Ambiente-Licht für den Rest des Raumes), effiziente Be- und Entlüftung, High Tech WCs (bereits in sehr guten Qualitäten zu attraktiven Preisen erhältlich) ersetzen Bidets. Mindestens 20% der Gesamt-Wohnfläche des Zimmers sind dem Bad zu „opfern“, unter keinen Umständen unter 4 m²!

Zu den Böden: Manche Hotelplaner behaupten „ABL“, dies bedeutet „anything but laminate“. Der Verfasser dieses Artikels kann sich dem nicht ganz anschließen, denn gerade in diesem Segment gibt es mittlerweile hervorragende Produkte in Bezug auf Optik, Qualität, Kombinierbarkeit und vor allem praktische Aspekte!

„Reine“ Frühstückszimmer sind zu überdenken. Eine durchschnittliche, tägliche Nutzung wertvoller Fläche von ca. drei Stunden sollte verbessert werden.

Im Spa- und Wellnessbereich des Hotels der Zukunft findet man ein akzeptables Verhältnis zwischen Ruheliegen und Gästebetten. Ruheliegen in Durchgangszonen werden vermieden. Der Spa-Bereich ist zu jeder Zeit personell betreut. Veraltete Fitnessgeräte in tageslichtlosen Kellerräumen – womöglich auch noch mit Spannteppich – gehören der Vergangenheit an. Sauberkeit ist oberstes Gebot, die Be- und Entlüftung ist auf dem neuesten Stand, das Spa-Konzept wird als stimmiges Ganzes wahrgenommen. Im Massageraum wird der Gast nicht mehr zwingend mit der schier unvermeidbaren Pan-Flöten-Entspannungsmusik zwangsbeglückt, sondern es wird ihm die Möglichkeit geboten, aus mehreren Musikrichtungen zu wählen (oder Ruhe vorzuziehen). Je zwei bis drei CDs aus etwa fünf, sechs verschiedenen Musikrichtungen wird sich jedes Hotel der Zukunft (und selbstverständlich auch bereits bestehende Häuser) leisten können müssen!

Die permanente Musikberieselung im gesamten Haus ist zu überdenken und den Erfordernissen anzupassen. Radio ist ein „no go“ und darf ausschließlich (wenn überhaupt) während des Frühstücks gespielt werden.
Bars im Hotel, an denen Musik gespielt wird, müssen mit Akkustikdecken versehen werden.

Liebe LeserInnen, das war nur ein kurzer Auszug der vielen Anregungen, das Hotel der Zukunft zu kreieren. Bei Bedarf und zum gegebenen Zeitpunkt mehr über dieses spannende Thema!

 

 

 

 

 

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