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Die wichtigsten Chancenmärkte der österreichischen Hotellerie
Dagmar Lund-Durlacher

 

Zukunftsimpuls Dezember 2013

Corporate Social Responsibility (CSR) – wie weit soll die soziale Verantwortung von Unternehmen gehen?

Wer war nicht schon mit der Aufforderung im Badezimmer seines Hotelszimmers konfrontiert „Der Umwelt zuliebe – verwenden Sie Ihr Handtuch wieder“ und dachte sich dabei wem man nun eigentlich Gutes täte – der Umwelt oder dem Hotelier?“ Fakt ist, dass immer mehr Hoteliers sich mit dem Thema soziale Verantwortung auseinander setzen und die unterschiedlichsten Sozial- und Umweltmaßnahmen in ihre Unternehmenstätigkeiten implementieren.

Doch in welchem Ausmass sollen sich Unternehmen sozial engagieren? Die grundsätzliche Frage, die sich jeder Unternehmer zu stellen hat, ist: was ist mein unternehmerisches Ziel? Ist das einzige Ziel Gewinnmaximierung oder möchte ich mit meinem Unternehmen (auch) einen Beitrag für die Gesellschaft leisten? Obwohl es schon im 19. Jahrhundert CSR-Pioniere gab – meist engagierten sie sich, um Verbesserungen schlechter Arbeitsbedingungen voranzutreiben – begann die moderne Ära von CSR erst in den 50er Jahren, wobei es darum ging, dass Unternehmen ihre negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft minimieren und einen Beitrag für die Gesellschaft erbringen sollten. Es gab aber auch heftige Kritiker am CSR-Konzept wie den amerikanischen Ökonomen Milton Friedman, der als einizige soziale Verantwortung eines Unternehmens das Steigern des Gewinns ansah. Corporate Social Responsibility wird heute verstanden als die soziale Verantwortung der Unternehmen auf freiwilliger Basis soziale und ökologische Belange in ihre Unternehmenstätigkeit zu integrieren.

Eine europaweit angelegte Studie zeigte, dass rund 85% der Hoteliers in Europa sich in irgend einer Form an umweltorientierten CSR-Maßnahmen beteiligten, wobei die Hauptaktivitäten in Energie- und Wassereinsparungen sowie verbesserter Abfallwirtschaft lagen – alles Maßnahmen die auch zu signifikanten Kosteneinsparungen führten. Dabei ist das Engagement für CSR-Maßnahmen in der Kettenhotellerie höher als in den unabhängigen Betrieben. Die wichtigsten Bereiche, in denen sich CSR-Maßnahmen im Hotel- und Gastgewerbe umsetzen lassen liegen im Energie- und Wassermanagement, Abwasser- und Abfallmanagement, in der Verwendung von Chemikalien, dem Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität und Naturschutz, dem Beitrag zur regionalen Entwicklung sowie den Bedingungen am Arbeitsplatz.

Obwohl viele Hoteliers und Gastronomen große Anstrengungen unternehmen ihren ökologischen Fussabdruck zu minimieren und soziale Belange zu berücksichtigen, so verhindern doch manchmal der mit der Implementierung von CSR-Maßnahmen verbundene hohe Zeitaufwand, die hohen Investionskosten, die hohen operativen Kosten für CSR-Maßnahmen, aber auch mangelndes Wissen und fehlende Informationen CSR-Maßnahmen zu implementieren. Für Hoteliers, die grundsätzlich mehr soziale Verantwortung übernehmen möchten, aber noch geringes Wissen und Erfahrung mit CSR-Prozessen haben, empfiehlt es sich, sich einem Zertifizierungssystem, wie z.B. dem österreichischen Umweltzeichen, TourCert oder Green Globe anzuschließen, denn der Zertifizierungsprozess kann dazu beitragen, CSR-Kompetenz im Unternehmen aufzubauen und Unternehmensprozesse zu durchleuchten und zu optimieren.

Doch wieviel soziale Verantwortung übernehmen Unternehmen mit einem CSR-Ansatz wirklich? Hier läßt sich eine große Bandbreite erkennen. Von Unternehmen, die einzelne kostensparende Umweltmaßnahmen implementieren bis hin zu Unternehmen die CSR als Unternehmensphilosophie sehen und sowohl ökologische als auch soziale Belange in ihren Unternehmensaktiväten berücksichtigen. In jedem Fall handelt es sich dabei um klassische auf Gewinn orientierte Unternehmen, die die negativen Auswirkungen ihrer Unternehmenstätogkeit minimieren möchten und durchaus aus philanthropischen Motiven einen positiven Beitrag für die Gesellschaft liefern möchten. Sie unterscheiden sich jedoch wesentlich von einem nun auch langsam im Tourismus einziehenden Konzept, nämlich dem Social Entrepreneurship bzw. sozialen Unternehmertum, bei dem das unternehmerische Ziel ist, mit innovativen Konzepten gesellschaftliche Probleme zu lösen und langfristig für einen positiven Wandel in der Gesellschaft sorgen. Der Profitgedanke steht bei sozialen Unternehmern im Hintergrund, wobei sie ihre Unternehmen durchaus nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen führen. Sie engagieren sich unter anderem in den Bereichen Bildung, Arbeitsplatzschaffung für benachteiligte Personengruppen oder Armutsbekämpfung. Gerade das Hotel- und Gastgewerbe bietet viele Möglichkeiten für Social Entrepreneurs und erste erfolgreiche internationale Beispiele können als Inspiration für soziales Unternehmertum in Österreich dienen. Es ist zu erwarten, dass der derzeitige Hype um soziales Unternehmertum auch auf die Tourismuswirtschaft überschwappt. Erste Anzeichen dafür gibt es. Eine gute Adresse für Vernetzung und Informationen zum sozialen Unternehmertum ist Ashoka, eine internationale Organisation, die soziale Unternehmer seit 2011 auch in Österreich vernetzt und fördert (http://austria.ashoka.org/). Vielleicht werden wir sehr bald beim Einschecken an der Rezeption von einem ehemaligen Asylwerber betreut oder sitzen am Nachmittag in einem Kaffeehaus, in dem am Nachbartisch Jugendliche bei ihren Hausaufgaben von älteren Mitbürgern, Studenten oder anderen engagierten Menschen unterstützt werden. Utopie oder doch ein Weg zu einer gerechteren Gesellschaft?

 

 

 

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